Riccardo Corti
Riccardo Corti ist zwar vor 74 Jahren in Florenz geboren, aber schon 89 nach Lido di Camaiore umgezogen. In den letzten Jahren hat er vor allem in und mit der Galerie Mercurio in Viareggio ausgestellt und gehörte zum festen Stamm der zeitgenössischen Malerei, die meistens aus der Versilia stammen.
Der Weg zu seinen farbenfrohen Pinien und Zitronen verlief nicht gerade aus. Riccardo fing 1976 in Rom als Assistent von Luchino Visconti beim Dreh von „Die Unschuld“. Drei Jahre später dreht er seinen eigenen Film Miguelonica, es zieht ihn unter der Fittiche seiner Mutter, zu der er eine starke Beziehung hat, immer mehr zur Malerei, die bis zum Schluss seine tägliche Ausdrucksweise wird. Was ihn nicht hinderte sich in weitere Bereiche zu vertiefen und auszuloten, wie zum Beispiel die Astrologie, die seine große Leidenschaft war.
In seinem unverwechselbaren Stil malt Corti in Öl schlanke, melancholische Kiefern, fantasievolle Zitrusfrüchte im Querschnitt, sinnliche Wassermelonen, bildhafte Meereslandschaften in leuchtenden Farben und in der Leere schwebende Stäbchen – das eigentliche „Logo“ seiner Kompositionen: Alles ragt in einem äußerst stimmungsvollen Raum hervor, in dem sich die dynamische Eleganz der Formen mit der Sanftheit der Farbnuancen verbindet. „Ich stelle niemals die Erde dar, sondern nur das, was aus ihr hervorgeht, in einer Art Streben nach oben, hin zum Übernatürlichen“, hat Corti, der unter anderem ein leidenschaftlicher Astrologie-Liebhaber ist, stets in Bezug auf sein Schaffen betont. Seine Malerei ist weit mehr als nur Bild, sie ist lyrisch und von ausgeprägter symbolischer Bedeutung, zugleich akribisch und zur Synthese neigend, im Rahmen einer ästhetischen Auseinandersetzung, die niemals Selbstzweck ist. Eine Suche nach Harmonie, die sich auch in der Serie großformatiger Porträts zeigt, die vor allem zwischen 2006 und 2018 entstanden sind und in denen Corti eine raffinierte Neuinterpretation der Sprache der Pop-Art bietet: eindrucksvolle Gemälde, in denen sich Realitätsnähe mit einem klaren, inneren poetischen Ausdruck verbindet.
Riccardo kämpfte lange gegen den Krebs und sagte mir mal, wenn ich sterbe, werde ich vor dem Herren stehen – er wird auf die Wage alle meine Sünden legen und sie mit meinen tausend Bildern und mit allen Streicheleinheiten verrechnet, die ich vom Leben erhalten habe und auch schenken durfte. Denen, die sich zu seinem Freundeskreis zählen durften fehlt er schon heute, seine Bilder bleiben erhalten.