Wo man von einem Metzger Marketing lernen kann
Man denkt immer nur an seine Fleischspezialitäten und alles, was dazu gehört (und es ist nicht wenig), aber seine kleine Metzgerei in Panzano ist längst nur ein Teil eines richtigen Reiches im unternehmerischen Sinn. Schon bei den Sprüchen wird man neidisch – carne diem (carne = Fleisch) Seine erste Wanderung kam, als Europa entschieden hat uns den T-Bone Steak zu verbieten – und alles, was mit Knochen von Kühen kam, die älter als 1 Jahr waren. Metzger Cecchini protestierte auf seine poetische Art – er organisierte in Panzano im März 2001 ein Begräbnis für den Steak. Mit allem, was dazu gehört – ein Sarg mit ganzer Rinderkeule, Trauermarsch. Auf der Wand seiner Metzgerei kam eine Erinnerungstafel mit farbigem Steak-Bild und Inschrift – In memoria für den Florentiner Steak. Und so brachte er in das verschlafene Dorf Reporter aus halber Welt. Wer, was, so?

Wer ist Cecchini?
Metzger in 7 Generation, der aber Tierarzt werden wollte und es studierte, als aber plötzlich sein Vater starb, übernahm er das Familiengeschäft in Panzano.
Wo liegt Panzano?
In der Toskana, in einem der schönsten Teile des Chiantis bei Greve in Chianti. Klein, überschaubar, auf einem Hügel mit einem traumhaften Postkarten-Panorama.
So stellt man sich die Toskana vor.

Und das hat auch Cecchini verstanden.

Er verbindet gutes Essen – in seinem Restaurant kann man auch fleischlos essen – mit all dem, was sich ausländische Touristen unter Italien und Toskana vorstellen. Im Restaurant kommt er mit seinen Mitarbeitern an – sie hupen, trommeln und singen – bestes Entertaintment.

Die Ortschaft lebt mit und vom Cecchini - lange ist es nicht „nur“ sein Metzger-Geschäft, seine Familie übernahm den Vertrieb von hiesigen Ferienwohnungen, Stück weiter das Restaurant und auf dem Weg hin der Burger-Wagen, der es schafft auch Busse zu bedienen – und wo ich eine der besten Pappa di pomodoro gegessen habe. Im Geschäft verschiedene Spezialitäten. Wie zum Beispiel der etwas süßlicher Paprika-Senf als Beilage zum falschen Hasen o. Steak – wegen ihm komme ich trotz unglaublicher 31 Grad, die an diesem vorletzten September-Tag herrschen und schleppe gleich einen kleinen Vorrat weg. Es ist halb 3, Cecchini steht mit einigen Mitarbeitern vor dem Laden, sein Schnauzer lächelt und begrüßt jeden freundlich. Man hört weibliche Stimme Dario!! I love you! Wie bei einem Popstar.

Zu Hause staune ich nicht wenig, Cecchini ist 71 Jahre alt. Er publiziert Rezepte, bereist die Toskana und präsentiert in einigen ausgesuchten Restaurants seine Spezialitäten, als er z.B. an einem Symposium in Copenhagen mit mehr als 500 Kollegen aus aller Welt teilgenommen hat, beendete er seinen Beitrag mit Zitaten aus Dante´s Inferno.
Nicht umsonst wird er als Botschafter der toskanischen Kultur genannt.